Das Kombi-Modell: Bausparen trifft Bankkredit
Das klassische Kombi-Modell funktioniert so: Du nimmst einen normalen Bankkredit für den Großteil der Finanzierung und tilgst nicht direkt, sondern sparst parallel in einen Bausparvertrag ein. Wenn der Bausparvertrag zuteilungsreif ist (Mindestsparguthaben erreicht), löst du den Bankkredit mit dem Bauspardarlehen ab.
Klingt kompliziert — ist aber in den 1970er bis 2000er Jahren ein sehr beliebtes Modell gewesen. In der Niedrigzinsphase verlor es an Attraktivität, kehrt bei steigenden Zinsen aber zurück.
Aufbau des Kombi-Modells
- Sofortfinanzierung: Bankkredit über den gesamten benötigten Betrag (tilgungsfreie Phase)
- Bausparbesparung: Gleichzeitig Bausparvertrag besparen
- Zuteilung: Nach 6–10 Jahren: Bausparvertrag wird zugeteilt
- Ablösung: Bausparguthaben + Bauspardarlehen lösen den Bankkredit ab
- Rückzahlung: Ab da nur noch das günstige Bauspardarlehen tilgen
Wann lohnt sich das Kombi-Modell?
Das Modell war besonders attraktiv wenn:
- Die Bauspardarlehen-Zinsen günstiger waren als zukünftige Prolongationszinsen
- Vermögenswirksame Leistungen (VL) vom Arbeitgeber in Bausparvertrag flossen
- Wohnungsbauprämie genutzt werden konnte (einkommensbegrenzt)
- Zinsen gestiegen sind — dann sichert man das niedrigere Bauspardarlehen-Niveau
Wann lohnt es sich NICHT?
- Wenn die Bankzinsen bereits günstig und stabil sind
- Wenn die Abschlussgebühr des Bausparvertrags (1–1,6 % der Bausparsumme) zu hoch ist
- Wenn du in der Ansparphase kaum Flexibilität hast (doppelte Belastung: Bankrate + Bausparrate)
Aktuelle Relevanz: Zinsen 2026
Bei Bauzinsen von 3,5–4 % bieten viele Bausparkassen Darlehen zu 2,0–2,5 % an — das ist wieder attraktiv. Wer heute einen Bausparvertrag abschließt und in 7–10 Jahren in die Ablösung geht, kann möglicherweise von günstigeren Darlehen profitieren — wenn die Bankzinsen bis dahin wieder gestiegen sind.
Konkrete Kalkulation
Beispiel: 300.000 € Finanzierungsbedarf
- Bankkredit (tilgungsfrei): 300.000 € × 4,0 % = 12.000 € Zinsen/Jahr = 1.000 €/Monat
- Bausparrate: 500 €/Monat → nach 8 Jahren: ca. 60.000 € Guthaben
- Zuteilung: Bausparsumme 120.000 € → 60.000 € Guthaben + 60.000 € Darlehen (2,5 %)
- Nach Zuteilung: 240.000 € Restbankkredit bleibt, wird weiter geführt
Wichtig: Modell im Einzelfall mit einem unabhängigen Berater durchrechnen — Papierformen klingen oft besser als die realen Kosten.
Häufige Fragen
Was sind die wichtigsten Tipps zum Thema Finanzierung mit Bausparvertrag?
Beim Thema Finanzierung mit Bausparvertrag kommt es auf drei Kernpunkte an: Erstens ausreichend Eigenkapital einbringen (mindestens 20 % plus Nebenkosten). Zweitens mindestens 3–5 Angebote vergleichen — der Zinsunterschied kann 0,3–0,5 % betragen, was bei 250.000 € Kredit über 10 Jahre 7.500–12.500 € Ersparnis bedeutet. Drittens auf flexible Konditionen achten (Sondertilgung, Tilgungsanpassung).
Welche häufigen Fehler sollte ich vermeiden?
Die häufigsten Fehler: Nur die Hausbank anfragen ohne Vergleich. Die Kaufnebenkosten unterschätzen (7–12 % des Kaufpreises). Zu wenig Eigenkapital einbringen. Die monatliche Rate zu knapp kalkulieren ohne Puffer für Reparaturen und Einkommensausfälle. Zu kurze Zinsbindung wählen bei aktuell niedrigen Zinsen.
Wie berechne ich meine maximale Kreditrate?
Faustregel: Die monatliche Rate sollte nicht mehr als 35–40 % des Netto-Haushaltseinkommens betragen. Bei 3.500 € Netto wären das maximal ca. 1.400 €/Monat. Wichtig: Alle laufenden Kosten (Hausgeld, Versicherungen, Rücklagen 1–1,5 % des Immobilienwerts p.a.) einkalkulieren. Nutze einen Online-Rechner für deine persönliche Situation.
Welche Unterlagen brauche ich für einen Finanzierungsantrag?
Persönliche Unterlagen: Letzten 3 Gehaltsabrechnungen, aktueller Arbeitsvertrag, SCHUFA-Auskunft, Kontoauszüge (3 Monate). Für die Immobilie: Exposé, Grundriss, Grundbuchauszug, Energieausweis, Kaufvertragsentwurf. Bei Neubauten: Baubeschreibung, Lageplan, Kostenaufstellung. Je vollständiger, desto schneller die Zusage.
