Du hast den Kredit bewilligt — aber das Geld noch nicht abgerufen. Trotzdem zahlt die Bank schon? Genau das ist das Prinzip der Bereitstellungszinsen. Hier kommt die klare Erklärung.
Was sind Bereitstellungszinsen?
Bereitstellungszinsen (auch: Bereitstellungsprovision) sind Gebühren, die die Bank erhebt, wenn du ein bewilligtes Darlehen nicht sofort in Anspruch nimmst. Die Bank hält das Geld für dich bereit — und berechnet dafür eine Gebühr.
Wann fallen Bereitstellungszinsen an?
Typischerweise gibt es eine bereitstellungszinsfreie Zeit von 3–12 Monaten nach der Darlehenszusage. Danach berechnen Banken für jeden Monat, in dem das Darlehen nicht abgerufen wird, Bereitstellungszinsen.
| Bank-Typ | Zinsfreie Zeit | Bereitstellungszinssatz |
|---|---|---|
| Sparkassen | 3–6 Monate | 0,25 %/Monat |
| Geschäftsbanken | 6–12 Monate | 0,25 %/Monat |
| Direktbanken | 12 Monate | 0,25 %/Monat |
Konkrete Berechnung
Darlehen: 350.000 €, Bereitstellungszins: 0,25 %/Monat, Verzögerung nach zinsfreier Zeit: 4 Monate.
Bereitstellungszinsen: 350.000 € × 0,25 % × 4 Monate = 3.500 €
Das ist Geld, das du für nichts zahlst — nur dafür, dass das Geld "auf dich wartet".
Wann entstehen Verzögerungen?
- Bauphase zieht sich länger als geplant (Handwerkermangel, Baugenehmigung)
- Fertigstellung der Kaufurkunden verzögert sich
- Renovierungsarbeiten vor Einzug dauern länger
- Probleme mit Baugenehmigung oder Bebauungsplan
Wie vermeidest du hohe Bereitstellungszinsen?
- Längere zinsfreie Zeit verhandeln: Manche Banken geben 12 Monate — verhandle!
- Teilabruf nutzen: Wenn möglich, Darlehen in Teilbeträgen abrufen (senkt Zinsbasis)
- Zeitplanung realistisch: Bau- und Renovierungszeiten großzügig einplanen
- Bankenwechsel wenn nötig: Manche Banken bieten längere zinsfreie Zeiten
Bereitstellungszinsen bei Neubau besonders kritisch
Beim Hausbau wird das Darlehen oft in Etappen abgerufen (nach Rohbau, nach Dach, nach Innenausbau). Zwischen den Abrufen läuft trotzdem der Bereitstellungszins auf den nicht abgerufenen Teil. Hier können sich schnell mehrere tausend Euro summieren.
Fazit
Bereitstellungszinsen sind ein oft unterschätzter Kostenfaktor — besonders beim Neubau oder bei Renovierungsobjekten. Verhandle die zinsfreie Zeit möglichst lang und plane realistisch. Wer nur 3 Monate zinsfreie Zeit hat und dann 6 Monate wartet, zahlt schnell 4.000–5.000 Euro extra.
Häufige Fragen
Was bedeutet Bereitstellungszinsen konkret für meine Baufinanzierung?
Das Thema Bereitstellungszinsen ist ein wichtiger Bestandteil jeder Baufinanzierung. Es beeinflusst direkt die Gesamtkosten und die monatliche Belastung. Wer diesen Begriff versteht, kann Angebote besser vergleichen und gezielter verhandeln — sowohl mit der Hausbank als auch mit unabhängigen Vermittlern.
Wie wirkt sich das auf meine monatliche Rate aus?
Die monatliche Rate setzt sich aus Zins- und Tilgungsanteil zusammen. Jede Änderung der Rahmenbedingungen — sei es der Zinssatz, der Tilgungssatz oder Sonderkonditionen — hat direkten Einfluss auf die Rate. Nutze einen Online-Rechner um verschiedene Szenarien zu simulieren bevor du einen Vertrag unterschreibst.
Welche Fehler machen Käufer dabei am häufigsten?
Der häufigste Fehler ist, nur auf den Sollzins zu schauen statt auf den Effektivzins und die Gesamtkosten. Außerdem unterschätzen viele die Kaufnebenkosten (7–12 % des Kaufpreises) und planen zu wenig Puffer für unvorhergesehene Ausgaben. Ein unabhängiger Finanzberater hilft, alle Faktoren richtig zu gewichten.
Wie finde ich die besten Konditionen?
Mindestens 3–5 Angebote vergleichen: Hausbank, Volksbank/Sparkasse und mindestens zwei unabhängige Vermittler (Interhyp, Dr. Klein). Der Zinsunterschied kann 0,3–0,6 % betragen — bei 250.000 € Kredit über 10 Jahre sind das 7.500–15.000 € echte Ersparnis. Lass dich nicht unter Zeitdruck setzen.
