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Glossar

Nachhaftung beim Baukredit: Was bedeutet das?

Wer aus einem Baukredit aussteigt — z. B. nach Trennung oder Verkauf — haftet oft noch weiter. Die Nachhaftung beim Baukredit ist ein unterschätztes Risiko.

Stand: 2024-11-12 3 Min. Lesezeit
Nachhaftung beim Baukredit: Was bedeutet das?
Das Wichtigste auf einen Blick
  • Der Kredit vollständig zurückgezahlt wurde
  • Die Bank dich ausdrücklich aus dem Kreditvertrag entlässt
  • Die Bürgschaft von der Bank freigegeben wird
  • Bank um Entlassung bitten: Schriftlicher Antrag, Begründung (Trennung, Verkauf etc.)

Du hast einen Baukredit gemeinsam mit jemand anderem aufgenommen — und dann ändert sich etwas: Trennung, Scheidung, Verkauf der Immobilie. Du verlässt die Situation, aber haftest möglicherweise trotzdem noch weiter. Das nennt sich Nachhaftung — und sie ist ein oft unterschätztes Risiko.

Was ist Nachhaftung?

Nachhaftung bedeutet: Auch nach dem Ende deiner aktiven Beteiligung an einem Vertrag oder einer Situation bist du noch für vergangene Schulden verantwortlich. Bei Baukrediten bedeutet das: Wenn du als Mitschuldner oder Bürge aus dem Kreditvertrag entlassen werden willst, musst du das aktiv durchsetzen — sonst haftest du weiter.

Typische Nachhaftungs-Szenarien beim Baukredit

Szenario 1: Trennung bei gemeinsamem Kredit

Zwei Partner haben gemeinsam einen Baukredit aufgenommen. Sie trennen sich, einer zieht aus. Der Ausziehende zahlt nicht mehr — aber gegenüber der Bank haftet er noch vollständig. Die Bank kann von beiden die Rückzahlung verlangen, auch wenn intern nur einer das Haus nutzt.

Szenario 2: Verkauf der Immobilie mit Kreditübernahme

Du verkaufst dein Haus und der Käufer übernimmt deinen Kredit. Aber: Hat die Bank dem Schuldnerwechsel zugestimmt? Ohne ausdrückliche Entlassung durch die Bank haftest du weiterhin — auch wenn du längst nicht mehr Eigentümer bist.

Szenario 3: Bürge nach Rückzahlung

Du hast für jemanden gebürgt, der seinen Kredit zwischenzeitlich weitgehend abbezahlt hat. Trotzdem läuft die Bürgschaft bis zur vollständigen Schuldenfreiheit — du bist noch drin.

Wie lange dauert die Nachhaftung?

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Die Nachhaftung endet erst wenn:

  • Der Kredit vollständig zurückgezahlt wurde
  • Die Bank dich ausdrücklich aus dem Kreditvertrag entlässt
  • Die Bürgschaft von der Bank freigegeben wird

Das passiert nicht automatisch — du musst es aktiv einfordern und die Bank muss zustimmen.

Wie komme ich aus der Nachhaftung?

  • Bank um Entlassung bitten: Schriftlicher Antrag, Begründung (Trennung, Verkauf etc.)
  • Bank stimmt nur zu wenn: Der verbleibende Schuldner allein kreditwürdig ist
  • Umschuldung: Neuer Kredit auf nur einen Namen — entlässt den anderen
  • Vollständige Ablösung: Kredit zurückzahlen — sicherster Weg

SCHUFA-Eintrag bei Nachhaftung

Solange du noch formal als Mitschuldner oder Bürge eingetragen bist, läuft der Kredit in deiner SCHUFA. Das kann bei eigenen neuen Krediten oder anderen finanziellen Entscheidungen zum Problem werden — auch wenn du selbst nichts mehr zahlst.

Fazit

Nachhaftung beim Baukredit ist eine echte Gefahr bei Trennung, Scheidung oder Verkauf. Wer nicht mehr am Kredit beteiligt sein will, muss aktiv handeln — die Bank muss zustimmen. Ohne Entlassung bleibt die volle Haftung bestehen, unabhängig davon was intern geregelt ist.

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Häufige Fragen

Was ist der wichtigste Unterschied zwischen Hypothek und Grundschuld?

Die Hypothek ist akzessorisch — sie ist direkt an die Forderung gebunden und erlischt automatisch wenn der Kredit zurückgezahlt ist. Die Grundschuld ist abstrakt — sie bleibt im Grundbuch bestehen, auch nach Rückzahlung, und kann für neue Kredite genutzt werden. In der Praxis nutzen 95 % der Banken die Grundschuld.

Muss ich die Grundschuld nach Rückzahlung löschen lassen?

Nicht unbedingt, aber es ist ratsam. Eine eingetragene Grundschuld ohne zugrundeliegenden Kredit kann die spätere Beleihung oder den Verkauf erschweren. Die Löschung kostet ca. 200–400 € beim Notar. Alternativ kannst du eine Löschungsbewilligung von der Bank aufbewahren.

Welche Kosten entstehen bei der Grundschuldeintragung?

Notar und Grundbuchamt berechnen zusammen ca. 0,3–0,5 % der Grundschuldhöhe. Bei 250.000 € Grundschuld sind das ca. 750–1.250 €. Diese Kosten sind Teil der Kaufnebenkosten und werden bei der Baufinanzierung mit eingeplant.

Was ist eine Briefgrundschuld und was eine Buchgrundschuld?

Die Buchgrundschuld ist im Grundbuch eingetragen, ohne physisches Dokument — heute der Standard. Die Briefgrundschuld umfasst zusätzlich einen Grundschuldbrief als Wertpapier. Der Brief kann verkauft oder übertragen werden — für die meisten Privatkäufer irrelevant, da Banken Buchgrundschuld bevorzugen.

SM
Artikel von
Zert. Finanzberaterin (IHK)
Baufinanzierungs-Expertin
Zertifizierte Finanzberaterin (IHK) mit 12 Jahren Erfahrung in der Baufinanzierungsberatung. Sandra begleitet Erst- und Wiederholungskäufer von der Bonitätsprüfung über die Zinsbindungswahl bis zur Anschlussfinanzierung. Schwerpunkte: Annuitätendarlehen, Tilgungsstrategien, KfW-Förderprogramme und Finanzierungsstrukturierung für Eigennutzer.
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