Wenn zwei verdienen, eröffnet das deutlich mehr Möglichkeiten bei der Baufinanzierung. Höhere Bonität, bessere Zinsen, größeres Budget. Aber es gibt auch spezifische Risiken, die man kennen sollte.
Vorteile der gemeinsamen Finanzierung
- Höheres Gesamteinkommen → höhere Kreditlinie
- Beide Einkommen sichern die Rate ab (Ausfallschutz)
- Bessere Bonität bei der Bank
- Günstigerer Zinssatz durch höheres Eigenkapital möglich
Was passiert, wenn einer ausfällt?
Das größte Risiko bei Doppelverdiener-Finanzierungen: Was, wenn ein Einkommen wegfällt? Elternzeit, Krankheit, Jobverlust, Trennung. Planen Sie die Finanzierung so, dass sie auf einem Einkommen noch tragbar ist – wenn auch knapp.
Wer steht im Kreditvertrag?
Bei gemeinsamer Finanzierung gilt: Beide Partner sind Gesamtschuldner. Das bedeutet, jeder haftet für den gesamten Kredit. Wenn einer nicht zahlen kann, muss der andere den vollen Betrag leisten.
Trennung und Scheidung: Was passiert mit dem Kredit?
Hier liegt ein oft unterschätztes Risiko. Wenn sich das Paar trennt, bleibt der Kredit bestehen. Mögliche Szenarien:
- Einer zahlt aus und übernimmt die Immobilie (Bank muss zustimmen)
- Immobilie wird verkauft und Kredit getilgt
- Beide zahlen weiter – selten praktikabel
Wichtig: Ohne Zustimmung der Bank kann ein Partner nicht einfach aus dem Vertrag aussteigen.
Ehevertrag und Immobilienfinanzierung
Wer nicht verheiratet ist (unverheiratete Paare), sollte einen Partnerschaftsvertrag oder Erbvertrag aufsetzen. Ohne Ehe gibt es kein gesetzliches Erbrecht – im Todesfall kann der überlebende Partner ohne Testament leer ausgehen.
Elternzeit planen
Planen Sie Kinder? Dann rechnen Sie das Elterngeld ein: 65-67 % des Nettoeinkommens, max. 1.800 Euro/Monat. Wenn die Rate durch zwei Einkommen knapp gedeckt ist, kann Elternzeit zu echten Problemen führen.
Praxis-Tipp
Simulieren Sie drei Szenarien vor der Finanzierungsentscheidung:
- Beide verdienen normal → Rate problemlos
- Einer hat 12 Monate Elterngeld → Rate knapp aber machbar?
- Einer verliert den Job für 6 Monate → Puffer vorhanden?
Wenn Szenario 2 und 3 nicht überstanden werden können, ist das Budget zu hoch.
Häufige Fragen
Was sind die wichtigsten Tipps zum Thema Baufinanzierung für Doppelverdiener?
Beim Thema Baufinanzierung für Doppelverdiener kommt es auf drei Kernpunkte an: Erstens ausreichend Eigenkapital einbringen (mindestens 20 % plus Nebenkosten). Zweitens mindestens 3–5 Angebote vergleichen — der Zinsunterschied kann 0,3–0,5 % betragen, was bei 250.000 € Kredit über 10 Jahre 7.500–12.500 € Ersparnis bedeutet. Drittens auf flexible Konditionen achten (Sondertilgung, Tilgungsanpassung).
Welche häufigen Fehler sollte ich vermeiden?
Die häufigsten Fehler: Nur die Hausbank anfragen ohne Vergleich. Die Kaufnebenkosten unterschätzen (7–12 % des Kaufpreises). Zu wenig Eigenkapital einbringen. Die monatliche Rate zu knapp kalkulieren ohne Puffer für Reparaturen und Einkommensausfälle. Zu kurze Zinsbindung wählen bei aktuell niedrigen Zinsen.
Wie berechne ich meine maximale Kreditrate?
Faustregel: Die monatliche Rate sollte nicht mehr als 35–40 % des Netto-Haushaltseinkommens betragen. Bei 3.500 € Netto wären das maximal ca. 1.400 €/Monat. Wichtig: Alle laufenden Kosten (Hausgeld, Versicherungen, Rücklagen 1–1,5 % des Immobilienwerts p.a.) einkalkulieren. Nutze einen Online-Rechner für deine persönliche Situation.
Welche Unterlagen brauche ich für einen Finanzierungsantrag?
Persönliche Unterlagen: Letzten 3 Gehaltsabrechnungen, aktueller Arbeitsvertrag, SCHUFA-Auskunft, Kontoauszüge (3 Monate). Für die Immobilie: Exposé, Grundriss, Grundbuchauszug, Energieausweis, Kaufvertragsentwurf. Bei Neubauten: Baubeschreibung, Lageplan, Kostenaufstellung. Je vollständiger, desto schneller die Zusage.
