Gemeinsam eine Immobilie kaufen ist ein großer Schritt — und eine der häufigsten Quellen für finanzielle Streitigkeiten wenn Beziehungen enden. Wer vorher klar regelt, vermeidet teure Konflikte.
Verheiratete Paare
Bei Verheirateten gibt es zwei Möglichkeiten:
- Zugewinngemeinschaft (Standard): Immobilie wird im Scheidungsfall zwischen den Wertzuwächsen aufgeteilt — nicht notwendigerweise die Immobilie selbst
- Gütertrennung: Jeder behält was ihm gehört — klarer, aber weniger Schutz für den schwächeren Partner
- Ehegattentestament und Erbvertrag regeln was im Todesfall passiert
Unverheiratete Paare
Ohne Trauschein gibt es keinen automatischen Schutz. Wichtige Punkte:
- Beide im Grundbuch eingetragen? → Wer wie viel Anteil hat?
- Wer hat wie viel Eigenkapital eingebracht?
- Was passiert wenn einer stirbt? (Kein gesetzliches Erbrecht unter Unverheirateten!)
Grundbuch: Wie werden Anteile eingetragen?
Bei gemeinsamen Käufen wird im Grundbuch die Aufteilung angegeben:
- 50/50 (Hälfteigentum) — am häufigsten
- Andere Aufteilung wenn unterschiedliches Eigenkapital eingebracht wurde
- Nur einer im Grundbuch — rechtlich problematisch für den anderen
Was passiert bei Trennung?
- Einigung nötig: verkaufen, auszahlen, einer übernimmt
- Ohne Einigung: Teilungsversteigerung (fast immer ein schlechtes Ergebnis)
- Bank muss Kreditübernahme durch einen Partner genehmigen
Partnerschaftsvertrag für Unverheiratete
Vor dem Kauf sollte ein notariell beurkundeter Partnerschaftsvertrag regeln:
- Eigenkapitalanteile beider Partner
- Wie Kreditrate aufgeteilt wird
- Was im Trennungsfall passiert
- Vorkaufsrecht des anderen Partners
Tipp
Auch wenn es unangenehm ist darüber zu reden: Gerade weil ihr euch liebt, solltet ihr es regeln. Konflikte entstehen nicht aus bösem Willen, sondern aus unterschiedlichen Erwartungen wenn sich Lebensumstände ändern.
Häufige Fragen
Was sind die wichtigsten Tipps zum Thema Immobilie als Paar kaufen?
Beim Thema Immobilie als Paar kaufen kommt es auf drei Kernpunkte an: Erstens ausreichend Eigenkapital einbringen (mindestens 20 % plus Nebenkosten). Zweitens mindestens 3–5 Angebote vergleichen — der Zinsunterschied kann 0,3–0,5 % betragen, was bei 250.000 € Kredit über 10 Jahre 7.500–12.500 € Ersparnis bedeutet. Drittens auf flexible Konditionen achten (Sondertilgung, Tilgungsanpassung).
Welche häufigen Fehler sollte ich vermeiden?
Die häufigsten Fehler: Nur die Hausbank anfragen ohne Vergleich. Die Kaufnebenkosten unterschätzen (7–12 % des Kaufpreises). Zu wenig Eigenkapital einbringen. Die monatliche Rate zu knapp kalkulieren ohne Puffer für Reparaturen und Einkommensausfälle. Zu kurze Zinsbindung wählen bei aktuell niedrigen Zinsen.
Wie berechne ich meine maximale Kreditrate?
Faustregel: Die monatliche Rate sollte nicht mehr als 35–40 % des Netto-Haushaltseinkommens betragen. Bei 3.500 € Netto wären das maximal ca. 1.400 €/Monat. Wichtig: Alle laufenden Kosten (Hausgeld, Versicherungen, Rücklagen 1–1,5 % des Immobilienwerts p.a.) einkalkulieren. Nutze einen Online-Rechner für deine persönliche Situation.
Welche Unterlagen brauche ich für einen Finanzierungsantrag?
Persönliche Unterlagen: Letzten 3 Gehaltsabrechnungen, aktueller Arbeitsvertrag, SCHUFA-Auskunft, Kontoauszüge (3 Monate). Für die Immobilie: Exposé, Grundriss, Grundbuchauszug, Energieausweis, Kaufvertragsentwurf. Bei Neubauten: Baubeschreibung, Lageplan, Kostenaufstellung. Je vollständiger, desto schneller die Zusage.
