Tilgungsaussetzung klingt nach einer kurzfristigen Lösung — ist aber ein Konzept, das bewusst und strategisch eingesetzt werden kann. Wir erklären, was es bedeutet und wann es sinnvoll ist.
Was bedeutet Tilgungsaussetzung?
Bei einer normalen Annuität zahlen Sie monatlich Zinsen + Tilgung. Bei einer Tilgungsaussetzung zahlen Sie vorübergehend NUR die Zinsen — die Tilgung wird ausgesetzt. Die Restschuld bleibt in dieser Zeit gleich.
Wann gibt es Tilgungsaussetzungen?
- Endfällige Darlehen: Kredit läuft komplett tilgungsfrei, am Ende wird alles auf einmal zurückgezahlt (z.B. durch Bausparvertrag oder Lebensversicherung)
- Vorübergehende Aussetzung: In Notlagen (Jobverlust, Krankheit) kann die Bank die Tilgung temporär aussetzen
- Bauphase: Während der Bauzeit zahlen viele Kreditnehmer nur Bereitstellungszinsen und die Zinsen auf abgerufene Beträge — keine Tilgung
Was kostet die Tilgungsaussetzung langfristig?
| Szenario | Normal (2% Tilgung) | 1 Jahr Aussetzung |
|---|---|---|
| Darlehen | 200.000 € | 200.000 € |
| Zinssatz | 4% | 4% |
| Restschuld nach 1 Jahr | 196.000 € | 200.000 € |
| Mehrkosten (10 Jahre) | – | ca. 1.600 € Zinsen extra |
Eine einjährige Aussetzung bei 200.000 € und 4% Zins kostet langfristig rund 1.600 € extra — überschaubar, wenn die Aussetzung einen echten Notfall überbrückt.
Endfälliges Darlehen: Hohes Risiko
Früher wurden endfällige Darlehen kombiniert mit Lebensversicherungen oder Bausparverträgen: Man zahlt nur Zinsen, und am Ende löst die Auszahlung der LV den Kredit ab. Das klingt elegant — aber:
- LV-Renditen waren oft geringer als erwartet
- Steuerliche Behandlung hat sich geändert
- Heute werden diese Konstrukte kaum noch empfohlen
Für Kapitalanleger kann eine tilgungsfreie Phase aber sinnvoll sein, wenn das Kapital anderweitig höher rentiert als die Tilgungsersparnis.
Fazit
Tilgungsaussetzung als Notfallmaßnahme: vertretbar und sinnvoll. Als Dauerlösung oder Konstrukt mit endfälligen Darlehen: meistens nicht empfehlenswert. Klären Sie im Vorfeld, welche Optionen Ihr Kreditvertrag erlaubt — wie in unserem Guide zur Tilgungsplanung erklärt.
Häufige Fragen
Was bedeutet Tilgungsaussetzung konkret für meine Baufinanzierung?
Das Thema Tilgungsaussetzung ist ein wichtiger Bestandteil jeder Baufinanzierung. Es beeinflusst direkt die Gesamtkosten und die monatliche Belastung. Wer diesen Begriff versteht, kann Angebote besser vergleichen und gezielter verhandeln — sowohl mit der Hausbank als auch mit unabhängigen Vermittlern.
Wie wirkt sich das auf meine monatliche Rate aus?
Die monatliche Rate setzt sich aus Zins- und Tilgungsanteil zusammen. Jede Änderung der Rahmenbedingungen — sei es der Zinssatz, der Tilgungssatz oder Sonderkonditionen — hat direkten Einfluss auf die Rate. Nutze einen Online-Rechner um verschiedene Szenarien zu simulieren bevor du einen Vertrag unterschreibst.
Welche Fehler machen Käufer dabei am häufigsten?
Der häufigste Fehler ist, nur auf den Sollzins zu schauen statt auf den Effektivzins und die Gesamtkosten. Außerdem unterschätzen viele die Kaufnebenkosten (7–12 % des Kaufpreises) und planen zu wenig Puffer für unvorhergesehene Ausgaben. Ein unabhängiger Finanzberater hilft, alle Faktoren richtig zu gewichten.
Wie finde ich die besten Konditionen?
Mindestens 3–5 Angebote vergleichen: Hausbank, Volksbank/Sparkasse und mindestens zwei unabhängige Vermittler (Interhyp, Dr. Klein). Der Zinsunterschied kann 0,3–0,6 % betragen — bei 250.000 € Kredit über 10 Jahre sind das 7.500–15.000 € echte Ersparnis. Lass dich nicht unter Zeitdruck setzen.
