Teilverkauf klingt verlockend — aber die Risiken werden selten erklärt. Dieser Artikel zeigt die Schattenseiten.
Immobilien-Teilverkauf: Was Anbieter nicht immer sagen
„Bleib in deiner Immobilie und bekomm trotzdem Geld" — so werben Teilverkauf-Anbieter. Das klingt verlockend, besonders im Alter. Aber was sind die wirklichen Risiken?
Was ist ein Teilverkauf?
Beim Teilverkauf verkaufst du einen Teil deiner Immobilie (meist 10–50 %) an ein Unternehmen. Du erhältst dafür einen Einmalbetrag, zahlst aber monatlich ein sogenanntes Nutzungsentgelt fürs Wohnrecht. Du bleibst in der Wohnung — aber bist kein alleiniger Eigentümer mehr.
Wer bietet das an?
In Deutschland hauptsächlich: Heimkapital, Wertfaktor, Deutsche Teilkauf, Engel & Völkers Liquid Home. Die Markt wächst schnell, die Regulierung hinkt hinterher.
Die wichtigsten Risiken
1. Nutzungsentgelt ist keine Miete — es ist oft teurer
Das monatliche Nutzungsentgelt liegt meist bei 4–7 % des verkauften Anteils pro Jahr. Bei einem Verkauf von 100.000 € bezahlst du 4.000–7.000 € jährlich — also 333–583 €/Monat. Das ist oft teurer als eine vergleichbare Miete.
2. Wertsteigerungen gehören anteilig dem Anbieter
Steigt die Immobilie im Wert, profitiert der Anbieter anteilig. Du hast die Kosten des Erhalts — der Anbieter bekommt die Wertsteigerung auf seinen Anteil.
3. Instandhaltungskosten bleiben meist bei dir
Als Nutzer bist du oft weiter für Instandhaltung verantwortlich — auch für den Teil, der dem Unternehmen gehört. Das steht im Kleingedruckten.
4. Verkauf der Gesamtimmobilie wird komplizierter
Wenn du die Immobilie vollständig verkaufen willst, muss der Anbieter zustimmen. Und: Er bekommt seinen Anteil am Verkaufserlös — oft zu aktuellen Marktpreisen bewertet, was du nachzahlen musst.
5. Rückkaufsrecht ist teuer
Willst du den verkauften Anteil zurückkaufen, zahlst du typischerweise einen Aufschlag von 10–15 % auf den aktuellen Wert. Das verteuert den Rückkauf erheblich.
Wann kann ein Teilverkauf trotzdem sinnvoll sein?
- Du brauchst dringend Liquidität im Alter und keine anderen Optionen
- Die Alternative wäre ein teurer Kredit
- Du möchtest unbedingt in der Immobilie bleiben
- Du hast die Konditionen genau geprüft (und ggf. Anwalt eingeschaltet)
Alternativen zum Teilverkauf
- Grundschuld-Darlehen: Bank leiht Geld gegen Grundschuld — günstiger als Teilverkauf
- Vollverkauf mit Wohnrecht/Nießbrauch: Du verkaufst alles, behältst aber vertraglich das Wohnrecht
- Leibrente: Monatliche Rente statt Einmalbetrag, du bleibst im Haus
- Vermietung von Teilen: Einnahmen aus Untermiete oder Einliegerwohnung
Fazit
Teilverkauf ist ein teures Instrument mit erheblichen Risiken im Kleingedruckten. Wer Liquidität aus seiner Immobilie braucht, sollte alle Alternativen prüfen — und wenn Teilverkauf, dann mit unabhängiger Rechtsberatung vorher.
Häufige Fragen
Was sind die wichtigsten Tipps zum Thema Immobilien-Teilverkauf?
Beim Thema Immobilien-Teilverkauf kommt es auf drei Kernpunkte an: Erstens ausreichend Eigenkapital einbringen (mindestens 20 % plus Nebenkosten). Zweitens mindestens 3–5 Angebote vergleichen — der Zinsunterschied kann 0,3–0,5 % betragen, was bei 250.000 € Kredit über 10 Jahre 7.500–12.500 € Ersparnis bedeutet. Drittens auf flexible Konditionen achten (Sondertilgung, Tilgungsanpassung).
Welche häufigen Fehler sollte ich vermeiden?
Die häufigsten Fehler: Nur die Hausbank anfragen ohne Vergleich. Die Kaufnebenkosten unterschätzen (7–12 % des Kaufpreises). Zu wenig Eigenkapital einbringen. Die monatliche Rate zu knapp kalkulieren ohne Puffer für Reparaturen und Einkommensausfälle. Zu kurze Zinsbindung wählen bei aktuell niedrigen Zinsen.
Wie berechne ich meine maximale Kreditrate?
Faustregel: Die monatliche Rate sollte nicht mehr als 35–40 % des Netto-Haushaltseinkommens betragen. Bei 3.500 € Netto wären das maximal ca. 1.400 €/Monat. Wichtig: Alle laufenden Kosten (Hausgeld, Versicherungen, Rücklagen 1–1,5 % des Immobilienwerts p.a.) einkalkulieren. Nutze einen Online-Rechner für deine persönliche Situation.
Welche Unterlagen brauche ich für einen Finanzierungsantrag?
Persönliche Unterlagen: Letzten 3 Gehaltsabrechnungen, aktueller Arbeitsvertrag, SCHUFA-Auskunft, Kontoauszüge (3 Monate). Für die Immobilie: Exposé, Grundriss, Grundbuchauszug, Energieausweis, Kaufvertragsentwurf. Bei Neubauten: Baubeschreibung, Lageplan, Kostenaufstellung. Je vollständiger, desto schneller die Zusage.
